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Die Erfindung der Druckerpresse markiert den letzten großen Umbruch der Kommunikationsgeschichte. Nun folgt die KI. Was können wir aus der Vergangenheit lernen?
Das Silicon Valley der frühen Neuzeit liegt an der Adria: Als Drehscheibe des globalen Handels zieht Venedig Talente aus aller Welt an, reiche Kaufleute locken mit Risikokapital. Vor allem eine neue Technologie sorgt in der Stadt für Aufsehen: der Buchdruck, den Johannes Gutenberg kurz zuvor um das Jahr 1450 erfunden hat. Allein bis Ende des 15. Jahrhunderts lassen sich in Venedig 150 risikofreudige Drucker nieder, darunter viele aus Deutschland, die an der Medienrevolution teilhaben wollen.
Der Drucker Aldus Manutius sorgt für einen iPhone-Moment: Er faltet erstmals die großen, unhandlichen Druckbögen auf acht kleinere Seiten und erfindet die praktischen, mobilen Oktav-Ausgaben („Octavo“), die als frühe Taschenbücher gelten. Die Innovation wird zu einem Weltbestseller und Statussymbol.
Es war ein Epochenbruch, eine Zeitenwende des Umgangs mit Informationen: Alte Gewissheiten erodierten, Machtverhältnisse sortierten sich neu. Einige Klagen wirken erstaunlich vertraut. So warnte Gottfried Wilhelm Leibniz vor einer „Informationsüberflutung“, die zur Orientierungslosigkeit führe. Geschichte wiederholt sich nicht, aber wirft Fragen auf: Können wir aus der letzten Medienrevolution für die KI-Revolution etwas lernen? Wie konnten negative Entwicklungen korrigiert werden, um eine bessere Zukunft zu ermöglichen?
Der Buchdruck ermöglichte eine neue Skalierbarkeit von Informationen. Schätzungen sprechen allein in den ersten 50 Jahren nach 1450 von rund zehn Millionen gedruckten Büchern in Europa, annähernd so viele wie in tausend Jahren zuvor per Hand geschrieben wurden, nämlich elf Millionen. Doch die Druckerpresse führte nicht nur zur schnellen Verbreitung wissenschaftlicher Texte, sondern zunächst vor allem von Verschwörungstheorien und Fake News. Wie der Historiker Yuval Noah Harari in seinem Buch Nexus beschreibt, war die Hexenverfolgung kein Phänomen des Mittelalters.
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