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GERMAN ANGST

Historiker: „Ängste nicht nur als ein Hirngespinst abtun“

Die deutsche Geschichte ist auch eine Geschichte kollektiver Ängste. Was können wir aus ihr für die Zukunft lernen? Der Historiker Frank Biess hat deutsche Angstzyklen untersucht. Er hinterfragt den Begriff der German Angst – und erklärt, welche Ängste jetzt sogar eine produktive Funktion haben können.

Stacheldrahtzaun in Auschwitz: Gibt es so etwas wie eine typische German Angst? Foto: Adobe Stock / Jiri Castka
Stacheldrahtzaun in Auschwitz: Gibt es so etwas wie eine typische German Angst? Foto: Adobe Stock / Jiri Castka

Ukraine-Krieg, Klimakrise, antidemokratische Kräfte: Zahlreiche Krisen schwelen zurzeit und greifen ineinander. Der Blick zurück zeigt: Die deutsche Geschichte war stets eine Geschichte der Krisen und Katastrophen. Der Historiker Frank Biess erzählt in seinem Buch „Republik der Angst“ (2019) von kollektiven Urängsten und zerlegt den Begriff der „German Angst“ (Frank Biess: Republik der Angst. Rowohlt. *Werbepartner) Der Historiker, im Jahr 1966 in Brackenheim im Landkreis Heilbronn geboren, lehrt an der University of California in San Diego Europäische Geschichte. Wir sprachen mit ihm über Zoom über wiederkehrende Ängste in der Gesellschaft und wie wir mit ihnen am besten umgehen sollten.

Herr Biess, der Begriff der German Angst hat eine lange Tradition. Wann ist er in Mode gekommen?

Frank Biess: Mit Hilfe von Recherche-Tools kann man sehr gut sehen, wann der Begriff erstmals besonders häufig in Diskussionen auftauchte. Der Graph schnellt hoch in einem bestimmten Moment: Ende der 80er- und insbesondere Anfang der 90er-Jahre. Es ist die Zeit des ersten Golfkriegs. In Deutschland skandieren die Menschen „Kein Krieg für Öl“, ich erinnere mich noch gut daran, damals war ich Student in Tübingen. Die German Angst ist zu dieser Zeit ein politischer Kampfbegriff, den Gegner der Friedensbewegung nutzen, um sie zu diskreditieren.

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